«Flucht in die Freiheit»

BASEL

So. 13|Juni|2021 

Martinskirche

15.45 Uhr
Vernissage der Ausstellung in der
Elfdausigjumpferestube der Martinskirche


17.00 Uhr
Konzert in der Martinskirche

György Ligeti (1923-2006) – Ramifications (Verästelung) für 12 Streicher (1968-1969)
Helena Winkelman (1974*) – «ICAROS» Trompetenkonzert, Uraufführung

Arvo Pärt (1935*) – Mein Weg für 14 Streicher und Schlagzeug (1989)

Vardapet Komitas (1869-1935)/S. Aslamazian (1897-1978) – Armenische Volkstänze (1975)

Béla Bartók (1881-1945) – Rumänische Volkstänze (1926)
 

Kammerorchester I TEMPI

Simon Höfele – Trompete Solo
Gevorg Gharabekyan – Dirigent

Alle Poststellen der Schweiz / Basel: Bider & Tanner

Es sind heute so viele Menschen auf der Flucht wie noch nie zuvor. Die grosse Anzahl hilfesuchender Menschen lässt ganze Staaten an die Grenzen ihrer Möglichkeiten stossen und löst bei deren Bevölkerung Ängste und Verunsicherung aus. Überflutet von Bildern fliehender Menschen in den Medien, fragen wir uns zu selten, was Emigration für den Einzelnen bedeutet.
 

Im Programm «Flucht in die Freiheit» stehen deswegen Werke von Komponisten im Zentrum, die mit dem Thema Flucht und Vertreibung persönlich in Berührung gekommen sind: György Ligeti befand sich während der Zeit, als die kommunistische Partei die Kommunikation zwischen Ungarn und dem Westen einschränkte mit eigenen Worten in «einer Kultur des ‚geschlossenen Zimmers‘, in der sich die Mehrheit der Künstler für die ‚innere Emigration‘ entschied. Offiziell wurde der ‚sozialistische Realismus‘ oktroyiert […] Geschrieben, komponiert, gemalt wurde im Geheimen und in der kaum vorhandenen Freizeit: Für die Schublade zu arbeiten galt als Ehre».

 

Vardapet Komitas, der Begründer der modernen klassischen Musik in Armenien, erlebte den Tod und die Vertreibung von unzähligen seiner armenischen Landsleute im osmanischen Reich unmittelbar mit und entkam dem Tod selbst nur sehr knapp. Er verstarb im Pariser Exil in der Psychiatrie. Arvo Pärt verliess sein Heimatland Estland auf Druck der Sowjetregierung. Béla Bartók sagte über seine Flucht vor den Nazis nach Amerika: «[…] ein Sprung ins Ungewisse aus dem gewussten Unerträglichen! Weiss Gott, wie und wie lange ich dort draussen arbeiten kann.»

Helena Winkelman schlägt in ihrem Kompositionsauftrag einen Bogen zum Thema des Konzertes durch die Vertonung der Flucht von Daedalus und Icarus. Den Verästelungen dieser Gefühlswelten zwischen Verzweiflung, Verlust, Schmerz, Hoffnung, Heimweh, Neugierde auf das Neue und Identitätssuche nachzuspüren, dazu lädt das vorliegende Programm ein.

Ausstellung zum Konzert mit Zeichnungen von Flüchtlingskindern

Im Kirchgemeindehaus der Martinskirche zeigen wir eine Ausstellung mit Zeichnungen von asylsuchenden Kindern und Jugendlichen. Die Bilder, die im Empfangszentrum an der Schweizer Grenze entstanden sind, geben Einblick in die Gefühlswelt der jungen Ankömmlinge.

Die Ausstellung findet in Kooperation mit den Vereinen «IFOR-MIR», «Playforrights» und «Elfdausigjumpferestube» statt.

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